2.2 Wissenswertes

2.2 Wissenswertes

  • Wie sehen betriebliche Experten das BEM bei psychischen Problemen
  • Die Unternehmen selbst sehen Mitarbeiter mit psychischen Schwierigkeiten oftmals als „schwierige Eingliederungsfälle“, nicht zuletzt wegen der meist langwierigen Problematik psychischer Krisen. Sowohl bei Führungskräften als auch bei Mitarbeitern fehlt es häufig an Akzeptanz. Oftmals fehlen entsprechende Strukturen und Prozesse. Hier wäre eine verstärkte Hilfe durch externe Einrichtungen notwendig und gewünscht.

    Im Idealfall muss es darum gehen, bei der stufenweisen Wiedereingliederung einerseits Stigmatisierung zu vermeiden und andererseits Selbstwertgefühl und Autonomie des Betroffenen zu stärken. Nicht alle Unternehmen fühlen sich hierfür gewappnet, wobei die Anzahl von Mitarbeitern mit psychischen Problemen eher zu- als abnimmt.

  • Musteranschreiben Eingliederung
  • Einladung zur Teilnahme an einem Informationsgespräch

    Die in § 84 SGB IX genannten Kriterien treffen auch auf Sie zu. Wir möchten Sie daher über die Möglichkeiten eines Betrieblichen Eingliederungsmanagements in unserem Unternehmen zunächst umfassend informieren und laden Sie zu einem unverbindlichen Informationsgespräch ein. Im Rahmen dieses Gesprächs werden wir Sie näher über die Ziele des Betrieblichen Eingliederungsmanagements und über Art und Umfang der hierfür erhobenen und verwendeten Daten einschließlich der Maßnahmen des Datenschutzes informieren.

    In der Anlage finden Sie unser Faltblatt zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement und den Rundbrief an alle Beschäftigten vom ___ . Wir freuen uns, wenn Sie Ihre Zustimmung zur Mitarbeit am Betrieblichen Eingliederungsmanagement geben, und weisen darauf hin, dass die Teilnahme freiwillig ist. Wir verweisen ebenfalls darauf, dass Herr/Frau (Mitglied des Betriebsrats/der Mitarbeitervertretung) und ggf. Herr/Frau (Schwerbehindertenvertretung) über diese Einladung informiert ist/sind, um der gesetzlich verankerten Überwachungspflicht nachzukommen.

    Wir bitten Sie, das beiliegende Formular nach Möglichkeit innerhalb der nächsten sieben Tage zurückzuschicken.

    Bei Rückfragen stehe ich Ihnen unter ___ gerne zur Verfügung.

    Wenn Sie noch Unterstützung bei der Bearbeitung verschiedenster Formalitäten im Zusammenhang mit Ihrer Erkrankung benötigen, können Sie sich gerne an mich wenden.

    Mit freundlichen Grüßen
    Personalabteilung

  • Checkliste für die Mitarbeiter/innen
  • Zur Vorbereitung des Präventionsgespräches im Rahmen eines BEM kann folgende Checkliste herangezogen werden. Bezogen auf die Arbeitsbedingungen sind mögliche für die Gesundheit schädliche Einflussfaktoren aufgelistet:
      – Lärm
      – ungünstige Beleuchtung
      – Zugluft, Hitze, Kälte
      – räumliche Enge
      – ständiges Stehen oder Sitzen
      – schweres Heben/Tragen, einseitige Beanspruchung von Armen/Beinen, Zwangshaltungen
      – schlechte ergonomische Gestaltung
      – Probleme mit der Software (schwer verständliche Masken und Felder, Bedienung von Funktionen, unverständliche Fehlermeldungen)
      – fehlende Zeitreserven bei der Arbeit
      – keine eigenständige Planung des Arbeitsablaufes
      – fehlende Entscheidungsmöglichkeiten
      – unklare Vorgaben
      – belastender Stress
      – Leistungsdruck
      – kurze Arbeitstakte, Arbeitsverdichtung, Arbeitsverteilung
      – hohe Verantwortung
      – Mehrarbeitsstunden/Überstunden
      – mangelnde Qualifizierungsmaßnahmen
      – unzureichende Einarbeitung
      – Führungsverhalten und Teamverhalten

  • Leitfaden für Führungskräfte zur Gesprächsführung
  • Materialien, die zu dem Gespräch mitgenommen werden sollten:
      – die BEM-Akte bestehend aus Einladung, Rückantwort und ggf. Informationen zur Arbeitsunfähigkeit etc.
      – Formular D2: Einwilligungserklärung zur Erhebung von Daten
      – Formular D3: Einwilligung zur Übermittlung der Daten ins EIBE-Team
      – Formular P5: Leitfaden und Dokumentation Informationsgespräch
      – Unterlagen zur allgemeinen Information über das betriebliche Eingliederungsmanagement

    Inhalte des Gesprächs:
      – Begrüßung und Einleitung
      – Vorstellung der eigenen Person: Tätigkeit, Stellung im Betrieb, Rolle im EIBE-Team
      – Ziel des Gesprächs: Abklären der Bereitschaft zur Teilnahme und gemeinsame Beratung, ob Maßnahmen des Betrieblichen Eingliederungsmanagements sinnvoll erscheinen
      – Vermittlung von Informationen zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement


    Wenn die Bereitschaft zur Teilnahme vorhanden ist, wird ein „Eingliederungsgespräch“ mit dem/der Fallmanager/in, auf Wunsch des/der Beschäftigten unter Hinzuziehung des Mitglieds des Betriebsrats/der Mitarbeitervertretung und ggf. der Schwerbehindertenvertretung, geführt, in dem über weitere Maßnahmen gemeinsam beraten wird.

    Erläuterung zu den Maßnahmen:
    Je konkreter Maßnahmen benannt werden, desto eher wird der Nutzen für den/die Mitarbeiter/in deutlich. Dies bedarf vorab der innerbetrieblichen Abstimmung. Es muss deutlich werden, dass ohne Zustimmung und Beteiligung des/der betroffenen Beschäftigten keine Maßnahmen festgelegt werden.

    Datenschutz:
    Es soll darüber informiert werden,
      – wie mit den erhobenen Daten umgegangen wird (Personalakte/BEM-Akte),
      – dass sowohl die Erhebung als auch die Weiterleitung von Daten nur mit Einwilligung geschieht,
      – dass der/die Beschäftigte die Unterlagen jederzeit einsehen kann.

  • Eingliederungsmanagement Beispiele
  • Staatstheater Stuttgart:
    Die Verantwortlichen haben festgestellt, dass sich BEM nicht isoliert von einem ganzheitlichen Ansatz des Betrieblichen Gesundheitsmanagements für die unterschiedlichen Mitarbeiter der ebenfalls sehr unterschiedlichen Berufsgruppen sehen lässt. So haben sich aus dem BEM heraus in Stuttgart weitere Leistungen für die Mitarbeiter entwickelt: Angebote zum Konfliktmanagement, Burnout-Prävention, Coaching, Mediation und Angebote wie Pilates, Yoga, Feldenkrais, auch Gesundheitstage. Zur Unterstützung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf gibt es seit 2006 eine eigene Kindertagesstätte.

    Für regelmäßige Mitarbeitergespräche werden die Führungskräfte geschult.
    Seitens der Arbeitsmedizin werden den Mitarbeitern verschiedene Vorsorgeuntersuchungen angeboten. Der Arbeitsmediziner wird auf Wunsch auch bei BEM-Maßnahmen eingebunden.

    Buderus GmbH:
    Die Buderus GmbH beschäftigt rund 900 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Im Unternehmen ist das BEM Teil des Gesundheits- und Integrationsmanagements. Es wird besonderen Wert darauf gelegt, dass das BEM nicht als gesetzlich legitimiertes Krankengespräch zur Vorbereitung von personenbedingten Kündigungen verstanden wird.

    Im Arbeitskreis Gesundheit werden zu den Themenbereichen Integrationsvereinbarung und standardisiertes Krankenrückkehrgespräch Maßnahmenpakete definiert. Es besteht ein mehrstufiges Verfahren zum Gesundheits- und Integrationsmanagement, in das der Arbeitskreis Gesundheit eingebunden ist. Dazu gehört ein Leitfaden für Rückkehrgespräche sowie Vorsorgeuntersuchungen und Beratungen zur Gesundheitsprävention, Arbeitsschutz und Arbeitsplatzgestaltung.
    Am Eingliederungsmanagement beteiligt sind die Personalleitung, der Betriebsrat, die Schwerbehindertenvertretung und der Werksarzt. Bei Bedarf werden die Betriebs- und Bereichsverantwortlichen, die Geschäftsführung und das Integrationsamt hinzugezogen. Die Prozessverantwortung für das BEM liegt beim Personalwesen.

    Rheinisch-Bergischer Kreis:
    Der Rheinisch-Bergische Kreis beschäftigt rund 730 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, von denen etwa 5,6 Prozent schwerbehindert sind.
    Für jede Mitarbeiterin oder jeden Mitarbeiter gibt es eine Informationsbroschüre, in der sehr umfassend informiert wird, wie der Arbeitgeber Kreisverwaltung im Falle einer längeren Erkrankung und der Wiedereingliederung vorgehen wird. Außerdem besteht das grundsätzliche Angebot, den Erstkontakt aufgrund der medizinischen Kenntnisse durch den betriebsärztlichen Dienst oder den Koordinator der Koordinationsstelle für Arbeitsschutz, Gesundheitsvorsorge und Konfliktmanagement durchführen zu lassen.
    In der Praxis hat sich dieses Angebot bewährt, da auf diesem Wege sehr früh ein Vertrauensverhältnis zwischen den Partnern aufgebaut werden kann und im Einvernehmen mit dem Betroffenen nur die Inhalte nach außen gelangen, welche für das Gelingen einer Wiedereingliederung erforderlich sind.

    Beim Rheinisch-Bergischen Kreis findet bereits seit Langem ein BEM statt, welches sich schon immer an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter richtete. Denn der Landkreis verfügt bereits seit zehn Jahren über eine Koordinationsstelle für Arbeitsschutz, Gesundheitsvorsorge und Konfliktmanagement, die mit einer speziell ausgebildeten Fachkraft besetzt ist. Der gesetzliche Auftrag zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement gab dann den Anstoß, die praktischen Erfahrungen und Vorgehensweisen in Form einer Dienstvereinbarung zusammenzufassen. Seit dem Jahre 2001 besteht ein betriebliches Integrationsteam.

  • Maßgeschneidertes BEM – Wie kann BEM mehr werden als nur Pflichterfüllung?
  • Nicht nur der Arbeitnehmer profitiert vom Betrieblichen Eingliederungsmanagement: Durch den Erhalt der Gesundheit seiner Arbeitnehmer und die Anpassung an neue gesundheitliche Gegebenheiten kann der Arbeitgeber krankheitsbedingte Fehltage und damit verbundene Lohnfortzahlungen reduzieren. Die Produktivität steigt, wodurch der Arbeitgeber den wirtschaftlichen Erfolg seines Unternehmens nachhaltig fördern kann.
    Zudem darf nicht vernachlässigt werden, dass die große Erfahrung langjähriger Mitarbeiter die Arbeitsprozesse dauerhaft unterstützt. Das aufwendige Einarbeiten neuer Mitarbeiter entfällt und die Arbeitskraft kann im Zuge längerer Lebensarbeitszeit bis zum gesetzlich vorgesehenen Renteneintritt erhalten werden.

  • Qualitätssicherung im Eingliederungsmanagement
  • Unternehmensintern soll im Einzelfall festgestellt werden, ob die durchgeführten Maßnahmen, Instrumente und Verfahren des BEM die definierten Anforderungen erfüllen und ob die Ziele erreicht werden. Eine grundlegende Voraussetzung der Qualitätssicherung ist die schriftliche Dokumentation der abgestimmten Eingliederungsmaßnahmen.

    Die Qualitätssicherung ist auch eine Aufgabe der betrieblichen Interessenvertretung. Betriebs- und Personalräte (und ggf. Schwerbehindertenvertretungen) erkennen an folgenden Punkten, dass die Anforderungen des § 84 Abs. 2 SGB IX erfolgreich umgesetzt wurden:
      – Strukturqualität: materielle, personelle und organisatorische Ressourcen sind vorhanden. Der Arbeitgeber passt Ziele und Verfahren des BEM an die betriebliche Organisation an und bildet sie in einer Betriebsvereinbarung ab. Die Vernetzung mit externen Leistungsträgern ist sichergestellt.
      – Prozessqualität: ausreichende Abstimmung der Schritte, gutes Zusammenwirken der Beteiligten und funktionierende Information/Kommunikation.
      – Ergebnisqualität: die Überwindung der Arbeitsunfähigkeit, die Vorbeugung erneuter Arbeitsunfähigkeit und die Erhaltung des Arbeitsplatzes wurden sichergestellt.